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Restaurant Julius: Wo der Wedding schon da ist

Mit dem "Julius" hat Dylan Watson-Brawn eine nahbare Ergänzung zu seinem Sternerestaurant "Ernst" eröffnet


Ob der Wedding nun kommt oder nicht – im “Julius” ist er schon da. An der Gerichtstraße, direkt gegenüber ihres Sternerestaurants “Ernst”, haben Dylan Watson-Brawn und Spencer Christenson Anfang 2021 ihre lässig-nahbare Dependance eröffnet. Gemeinsam mit dem “großen Bruder” hat das “Julius” das japanische Fundament der Küche und den unbedingten Fokus auf Handwerk und Produkt. Küchenchef Shunsuke Naogoka kombiniert japanische Hausmannskost und klassische französische Technik zu Gerichten wie Forelle mit Yuzu und Kartoffel-Pavé oder Financier mit Vanilleeis und Süßkartoffelcreme. Die Geschmackskombinationen sind überraschend, die Aromen präzise und die Tellerfolge eine angenehme Abwechslung zwischen Filigranität und soulfoodiger Gefälligkeit.

Gemeinsam mit dem “großen Bruder” hat das “Julius” das japanische Fundament der Küche und den unbedingten Fokus auf Handwerk und Produkt
Gemeinsam mit dem "Ernst" hat das “Julius” das japanische Fundament der Küche und den Fokus aufs Produkt

Tagsüber ist das “Julius” ein Deli mit hausgeröstetem Kaffee und frischem Gebäck, abends ein Restaurant mit einem saisonalen Acht-bis-Zehn-Gänge-Carte-Blanche-Menü für 75 Euro. Beim Interior folgt das “Julius” dem Shabby-Chic-Prinzip. An Fassade und Tür bröckeln Fliesen und Lack, von der nackten Betondecke hängen minimalistische Glühbirnen, die offene Küche wirkt spartanisch.


Ein näherer Blick auf die aufgeräumte Einrichtung, die von warmen Holzelementen gebrochen wird, offenbart jedoch hochwertig-handverlesene Details. Belgische Leinen an den Fenstern, japanische Designerstühle und -keramik, Gabriel-Glas, E.-Chavassieux-Messer, Le-Labo-Kerzen. Ebenso könnte die als lose Blattsammlung präsentierte Weinkarte beinahe darüber hinwegtäuschen, dass hier eine sorgfältige Auswahl an französischen, biodynamischen Flaschen getroffen wurde, die sich preislich zwischen 35 und 260 Euro bewegt. Wer möchte, lässt sich für 55 Euro mit Weinen, Bieren und Cider oder für 45 Euro alkoholfrei begleiten.


Küchenchef Shunsuke Naogoka kombiniert japanische Hausmannskost und klassische französische Technik
"Julius"-Küchenchef Shunsuke Naogoka kombiniert japanische Hausmannskost und französische Technik

Dinner gibt es ab 18 Uhr. Dass die Tische bei einer frühen Reservierung doppelt vergeben werden, ist grundsätzlich verständlich. Allein beim Zeitpuffer dazwischen wäre etwas mehr Großzügigkeit wünschenswert, damit bei Dessert und Bezahlung nicht plötzlich die Geschwindigkeit verdoppelt wird. Abgesehen davon lässt sich im “Julius” jedoch im Kreise hipper Thirtysomethings ein kulinarisch und atmosphärisch sehr gelungener Abend verbringen.


Julius: Gerichtstraße 31, 13347 Berlin


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