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Brlo, der FC Viktoria und eine Revolution

Wie Katharina Kurz von Brlo und prominente Investorinnen den FC Viktoria 1889 Berlin in die erste Bundesliga führen und gleichzeitig den Fußball verändern wollen


Der FC Viktoria 1889 Berlin, so erfährt man auf Wikipedia, ist ein 2013 gegründeter Fußballverein aus Lichterfelde mit dem Spitznamen “die Himmelblauen”, aktuell beheimatet in der Regionalliga Nordost. Auch über Historie, Erfolge, Stadion, Statistik und den aktuellen Kader ist dort allerhand zu lesen und – ganz zuletzt, noch hinter den Gliederungspunkten “Jugendmannschaften”, “weitere Herrenmannschaften” und “Blindenfußball” –, dass es im Verein auch ein Frauenteam gibt. Der allgemeine Stellenwert der weiblichen Elf ist damit klar definiert.


Um daran etwas zu ändern, hat sich im vergangenen Jahr eine beachtliche Anzahl von prominenten Unterstützer:innen zusammengetan. Auf Initiative von Journalistin Felicia Mutterer und Brlo-Craft-Beer-Geschäftsfürerin Katharina Kurz wurde das Frauenteam mit den Co-Gründerinnen Ariane Hingt, deutsche Nationalspielerin und

zweimalige Weltmeisterin, Unternehmerin Verena Pausder, Marketingexpertin Lisa Währer und Managerin Tanja Wielgoß im Juli 2022 als GmbH ausgegliedert. Von 87 Investor:innen, darunter Maria Höfl-Riesch, Carolin Kebekus, Nikeata Thompson, Dunja Hayali und Lea-Sophie Cramer, wurde eine Million Euro Kapital eingesammelt, Franziska van Almsick wurde zusätzlich zur Aufsichtsrätin.


FC-Viktoria-Investorinnen: Tanja Wielgoß, Lisa Währer, Verena Pausder, Ariane Hingst, Katharina Kurz und Felicia Mutterer (v. l.)
FC-Viktoria-Investorinnen: Tanja Wielgoß, Lisa Währer, Verena Pausder, Ariane Hingst, Katharina Kurz und Felicia Mutterer (v. l.) Foto: Filiz Serinyel

Das Vorbild: der Angel City FC. Ein Frauen-Fußball-Team, das 2020 in Los Angeles gegründet wurde und zu dessen Eigentümerinnen unter anderen Natalie Portman, Eva Longoria, Serena Williams und Jennifer Garner gehören. Als Initialzündung fungierte für Katharina Kurz, die in ihrer Jugend selbst Fußball spielte, die Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2019. Felicia Mutterer habe damals angeregt, die Spiele im Brlo-Biergarten als Public-Viewing-Event zu zeigen. Nach kurzem Zögern, ob das jemand sehen wolle, entschieden sich Kurz und ihr Geschäftspartner Ben Pommer dafür – und wurden mit einem Fußballfest belohnt. Die anhaltende Euphorie im Nachgang habe zur Frage geführt, warum es in den großen Sportarten in Berlin eigentlich keine erstklassige Frauenmannschaft gebe, so Kurz.


Durch Gespräche im eigenen und erweiterten Netzwerk fand sich erst die Idee und dann das Team der Gründerinnen zusammen, von denen jede auch ihre spezifische Expertise mit einbringt. “Wir wollen innerhalb von fünf Jahren in die erste Bundesliga”, sagt Katharina Kurz über das unmittelbare Ziel des gemeinsamen Projekts. Langfristig vereine Team, Gründerinnen und Investor:innen jedoch ein größerer Auftrag: “Das Spotlight auf den Frauenfußball zu lenken und so etwas zu bewegen.”


Der Nachholbedarf sei nicht nur beim Image – “Der Unterschied ist mediengemacht. Fußball ist Fußball, kein Frauenfußball” –, sondern vor allem auch finanziell enorm, so Kurz. “Männer in der dritten Liga verdienen teilweise sechsstellig. Bei Frauen in der ersten liegt das Durchschnittsgehalt bei 3500 Euro brutto. Das muss man schon richtig wollen.” Als eine der ersten Maßnahmen bekamen deshalb alle Spielerinnen beim FC Viktoria Verträge – eine Pionierleistung, die mittlerweile auch den 1. FC Union zur Nachahmung angeregt hat. Die Frauen in der Regionalliga hatten zuvor auf Amateurinnenniveau Mitgliedsbeiträge und sogar für ihre Trikots gezahlt. Selbst in der zweiten Liga gebe es kaum Gehälter. “Das sind keine Frauen, die vom Lamborghini träumen, sondern die richtig Lust auf Fußball haben”, so Kurz.


Das Frauenteam des FC Viktoria Berlin
Das Frauenteam des FC Viktoria Berlin. Foto: Michael Romacker

Ein Einsatz, der ansteckend ist. Prominente als Unterstützer:innen zu gewinnen sei überraschend leicht gewesen, sagt Katharina Kurz. Das Thema traf offensichtlich einen Nerv. Alle Beteiligten seien mit dem Herzen, nicht nur mit Geld dabei und gleichzeitig davon überzeugt, dass ihr Investment ein gutes ist. „Ich unterstütze das FC Viktoria Berlin Frauenteam nicht nur, weil ich dazu beitragen möchte, dass Frauensport mehr Anerkennung und Wertschätzung entgegengebracht wird”, so Carolin Kebekus, “sondern auch, weil der Fußball mit Frauen aus unternehmerischer Sicht enormes Potenzial bietet.” Der gleichen Meinung sind mittlerweile auch Unternehmen wie Douglas und Stepstone, die die Mannschaft als Sponsoren unterstützen. Brlo ist natürlich auch dabei: Das Bier der Craftbrauer gibt es im Stadion Lichterfelde nur zu Spielen des Frauenteams.


Der geballte Einsatz von sportlichem Ehrgeiz, Idealismus, Geld, Prominenz und Reichweite, breitgefächerter Expertise der Gründerinnen und Begeisterung zeigt bereits Wirkung. Die Frauen des FC Viktoria stehen aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz (Stand: 24. Januar), ins Stadion kommen zu Heimspielen mittlerweile 800 bis 1700 Zuschauende, statt, wie bisher, nur 30 bis 50. “Wir wollten etwas für alle schaffen. Keinen Frauenclub für Frauen”, sagt Katharina Kurz. Am meisten freue sie sich deshalb über Familien mit Kindern, für die das Geschlecht des Teams gar keinen Unterschied mache. “Wie gehen zum Fußball”, höre sie dann oft von den Kleinen, nicht “zum Frauenfußball”.

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